Beate, Nicole und ich sind der europäischen Kälte entflohen und landen mittags in Colombo, wo uns das herrliche Sommerwetter empfängt. Wir lassen uns in das Fischerdorf Negombo bringen und entscheiden uns für das „New Rest House“, abseits der Touries.
„..It has lots of history and colonial charm (mit viel Fantasie kann man sich vorstellen, wie es wohl damals ausgesehen haben mag). Queen Elisabeth II stayed here in 1958. Rooms are simple (und schmuddlig und vergammelt), some have balconies looking over the sea and the distinctly odoured fish market.“
Der Fischmarkt stinkt tatsächlich bestialisch, da überall die Fische zum Trocknen auf dem Strand liegen. Statt weißer Möwen fliegen und sitzen überall Hunderte rabenschwarzer Krähen, die mit ihrem ständigen Gekrächze an Hitchcocks Film „Die Vögel“ erinnern. Irgendwie grauslig! Die Menschen sind alle sehr schwarz hier. Die farbig gekleideten Marktfrauen verkaufen einzelne große, manchmal sehr farbige oder silberglänzende Fische. Nichtsdestotrotz kaufen wir zwei große, von denen wir annehmen, dass sie schmecken. In unserem Hotel lassen wir sie uns sehr lecker zubereiten, dazu gibt es gekochte Kartoffeln, Möhren, Knoblauch und Weißkohl. Wir trinken das einheimische Lion Beer. Nicole setzt sich an das verstimmte Klavier. Die Hotelleute und wir sind begeistert. Hier steigen nur Einheimische, travelers oder …Leute wie wir!…ab.
Capela schwirrt ganz wichtig um uns herum. Die Gesichtszüge könnten auf einen Europäer schließen lassen, wenn man sich die schwarze Hautfarbe wegdenkt, was für die meisten hiesigen Menschen gilt.
Früh um halb sieben werde ich von dem Gekreische dieser Vögel geweckt. Das Eigelb der Spiegeleier zum Frühstück ist von einem schwachen, komischen Gelb, dass Nicole die Eier schon mal gar nicht runterkriegt bei der Vorstellung, was die Hühner gefressen haben mögen, denn beim Verzehr von ein bisschen Mais und Chili müssten die Rühreier eigentlich quittengelb aussehen.
Auf dem Meer segeln die Fischer mit Ihren Catamarane zum Fischfang. Ihre braungrauen, viereckigen Segel sehen aus wie schmutzige Betttücher…romantisch!
Nicole holt ihren Vetter Peer vom Flughafen ab. Der reist mal gleich mit einem starren, silbernen Samsonite-Koffer an. Es ist seine erste Asienreise. Schon am nächsten Tag hat er sich einen Männersarong zugelegt, den er sich gleich um die Hüfte wickelt, als ob er das schon immer getan hätte, und fühlt sich pudelwohl in dieser Hitze mit „Rock“.
Fahren mit Tuck-Tuck durch das Dorf, überall baumeln dick aufgeblasene, rote Plastik-Nikoläuse zum Verkauf, alles glitzert vorweihnachtlich, kitschigbunt. Wir kommen zu den Nobelhotels, wo wir mal mailen können und uns dort am Strand mit einem Bierchen auf die Liegestühle unter Palmen lümmeln. Kleine gestreifte Palmhörnchen flitzen behend überall herum und tauchen wendig in die Tassen und Gläser, die gerade unbeaufsichtigt herumstehen, hinein, um etwas Essbares zu erhaschen. Beate und ich holen Ricarda spät abends vom Flughafen ab, nachdem wir ewig lange hatten warten müssen. Riesengroße Freude!
Deepal hat unsere Reise schon geplant. Wer ist Deepal? Ricarda kennt ihn aus Japan. Er ist Singhalese aus Colombo, hat 10 Jahre in Japan studiert und gearbeitet. Seit einem Jahr ist er, da er fließend Japanisch spricht, in einer japanischen Firma, die in Sri Lanka Straßen und Autobahnen baut, beschäftigt. Ricarda hatte ihn angemailt, und er war ganz begeistert: „Ich zeige Euch mein Land von der schönsten Seite.“ Hi! „I arrange everything for you, you want.“
Wir laufen noch mal über den Fischmarkt, wo die schönsten, manchmal bunten und ausgefallenen Fische zum Verkauf angeboten werden, und fotografieren. Gegen Mittag fährt ein großer Van mit Fahrer vor, den Deepal uns schickt, worin wir 5 mit Gepäck bequem Platz haben. Deepal hatte hinten schon lauter Bierflaschen für uns für die Reise geladen, und wir brauchen nur noch Eis für die große Styroporbox, damit das Bier auch schmeckt. Unser Fahrer Duminda ist 22 Jahre, ein bildhübscher Junge. Nach mehrmaligem Fragen findet er eine Eisfabrik, und wir füllen die Eisbox mit Eisklumpen.
In dem vorweihnachtlichen Kitsch werden auch große, frische Kiefernäste für die großen Krippen am Wegrand verkauft. Plastik? Nein, wirklich echt! Nach ein paar Stunden grausliger Verkehrsstauungen, Abgase und Lärm kommen wir ins Gebirge, wo es gleich etwas kühler und vor allem ruhiger wird. Hunde liegen faul auf der Straße, die sich nur langsam erheben, um Platz zu machen. Wir fahren durch riesige Kiefernwälder. Zu unserem Schrecken gibt es große, kahle, abgeholzte Stellen. Für die Weihnachtszeit roden die locals den Wald, um Geld zu verdienen. Wir vermuten, dass die Engländer oder Holländer ihn vor 100 Jahren aufgeforstet haben, nachdem sie vorher zu ihrem Eigennutz alles gerodet hatten. Es wird langsam dunkel, und wir halten am „River Side Holiday Inn“, das Deepal für uns unterwegs ausgesucht hatte. Mit seinem Handy hat er Zimmer und Essen bestellt.
Ein großer Gebirgsfluss rauscht inmitten von großen Steinen talwärts, eingegraben im Urwald. Das sollte unsere schönste Übernachtung in den 3 Wochen bleiben? Wir sitzen an einer langen Tafel, neben uns der rauschende river. Deepal mit seinen Freunden, der Fahrer und wir essen original singhalesisches food, very spicy!, und öffnen eine Flasche rosa Sekt. Warum trinken wir nicht alle Flaschen leer, die wir aus Deutschland im Handgepäck mitgeschleppt haben? Die anderen sollen dem Meer zum Opfer fallen! Ricarda freut sich so sehr, ihren aus Japan mitgebrachten Kitsch Minitannenbaum aus dem 100 yen shop zu schmücken und auf dem Tisch zu dekorieren. Wir verteilen unsere kleinen Geschenke und freuen uns darüber sehr. Sie werden dann alle bald in den Fluten wegschwimmen…und alles andere auch! Wir schlafen das letzte Mal göttlich in der kühlen Nacht mit dem Rauschen des Bachs.
Wir frühstücken singhalesisch scharf. Eine Affenfamilie sitzt am Straßenrand und glotzt uns neugierig an – und wir sie, mit Faszination. Ein Viech hat sich am Zeh von Peer festgebissen, es blutet stark. Ein Blutegel? Aber Peer ist gar nicht zimperlich. Wir halten an einem riesigen Wasserfall (Dunchinadafalls), der 60 m senkrecht donnernd zu uns in die Tiefe stürzt, und wir staunen über diese Naturkraft. Am Straßenrand kauft uns Deepal frisch geschälte, geschnittene, saftig-reife Mangos.
Es dämmert langsam, und wir rutschen auf unseren Sitzen herum, weil es doch nach all den Stunden anfängt, unbequem zu werden. Wir durchqueren einen kleinen Nationalpark in der Nähe der Küste. Auf der schmalen Straße liegen auffallend große „Pferdeäpfel“, und plötzlich sehen wir links im Gebüsch einen riesigen Elefanten, etwa 30 m entfernt, sooooo groß, nur seine Ohren bewegen sich manchmal ein wenig. Oh! In der Ferne im sumpfigen Gras hält sich eine ganze Familie auf. Wir fahren weiter durch Militärgebiet. Man hat die Soldaten dort wegen der Tamilen stationiert. Big frogs are jumping high over the street. Hups! Ihre weißen Bäuche und langen Beine leuchten im Scheinwerferlicht. Weiter geht’s über eine lange Eisenbrücke über die Lagune nach Arugam Bay, wo es die schönsten, fast unberührten Strände der Welt gibt. So sagt Lonely Planet!
Deepal organisiert uns schnell 3 Bungalows am Strand. „Find you a cheaper and nicer one tomorrow!” Sie sind aus Beton und ganz neu und nicht so romantisch wie die aus Lehm gebauten mit Strohdach. Aber morgen finden wollen? Ricarda, Beate und ich setzen uns für eine Weile mit einem Bierchen unter einer Palme in den Sand, dicht ans Meer. Es ist Vollmond, und die Sterne funkeln am klaren Himmel. Eigentlich traumhaft, aber ich fühle mich nicht froh!
Wir haben uns im 200 m entfernten SIAM VIEW verabredet, wo wir auf der 1. Etage lecker essen und frisch gezapftes kühles Bier trinken. Unten am Strand findet eine große FULLMOONPARTY statt. Eine große Musikanlage wurde aufgebaut, und es wird fröhlich und ausgelassen bis 6 a.m. getanzt. Um 7a.m. wird die Musikanlage die gerade noch intakte Eisenbrücke überqueren! Mit Peer und Nicole laufen wir durch den verwunschenen Garten am Strand entlang zu unseren Bungalows. Nicole ist ganz ausgelassen vor Freude. Vollmond, Sternenhimmel, sommerliche Temperaturen. Sie springt ins Meer. Ich kann das alles nicht genießen und fühle mich eng und unwohl. Ich schiebe es auf die Wehmut in Gedanken an Wieland. Hab’ später alles so grau und und schwarz in Erinnerung. Ich ziehe mich zurück, Beate und Ricarda bleiben noch.
Ich wache gegen 8 a.m. auf. Meine Gedanken sind: Setz Dich vor die Türe und lies! Ich wundere mich über diesen doofen Einfall und muss mich überwinden, zum Schwimmen ans Meer zu gehen. Meinen Geldgürtel und meine kleine Tasche mit Papieren und Karten hole ich zum Glück unterm Kopfkissen vor, lege sie zusammengerollt in die fast leere Tasche und verschließe den Reißverschluss! Peer und Nicole sind im Wasser, und sie ruft voller Übermut und Freude: „Ist das denn nicht herrlich, Kinders?“ Das Wasser ist ganz glatt, ohne Wellen, und da ich mit den beiden frühstücken will, entschließe ich mich nur flott für ein paar Schwimmzüge, ohne mir die frisch gewaschenen Haare nass machen zu wollen. Da erfasst mich plötzlich eine Welle, die noch klar und durchsichtig ist, aber so stark, dass sie mich kopfüber total durchwirbelt. Völlig verdattert und naß geh’ ich raus. Plötzlich, weiter hinten, dort, wo die Fischerboote liegen, lautes Rufen und Schreien. Alles rennt wie in Panik. Was ist los? Nicole will sich gerade anziehen, und Peer steht schützend vor ihr, als die wenigen Einheimischen, die in unserer Nähe sind, laut rufen: „Run, run, run!“ Ja, und dann renn’ ich halt. Und Nicole, splitternackt? Braunes Wasser läuft hinter mir her, um mich dann zu überholen. Ich springe die hohe Stufe zu meiner Türe hoch, sie klemmt, das Wasser steigt. Ich sehe eine Treppe zum Dach und flitze hoch. „Ricarda!“ schreie ich ganz laut. Ich sehe von oben unten eine offene Türe und glaube, dass es die von Beate und Ricarda ist. Sicherlich sind sie schon auf und davon. Ich schaue gebannt von oben auf das anrollende braune Wasser. Unser großer Van wirbelt wie ein Spielzeug herum und knallt schwimmend krachend mit einem anderen Auto zuammen. Da…unsere Styroporbox mit unserem Bier und Eis saust davon. Die Straße ist nicht mehr zu sehen, überall Wasser. Ich halte meine beiden Hände vor den Mund, die braune Brühe steigt brodelnd weiter, immer höher, ich denke nichts und hinterfrage nichts, ich bin wie erstarrt. Drei Meter hebt sich das Wasser. Am Strand sinken die mit Palmblättern überdachten Terrassen in sich zusammen, dort, wo wir gestern noch gesessen haben. Zum Glück sehe ich keine Menschen in der wirbelnden Brühe. Ich glaube, das Wasser steigt nicht mehr, und dann läuft es im Eiltempo ab und zieht alles mit sich. Unser inzwischen total verbeulter Van bleibt laut hupend hilflos auf der Seite liegen. Ich eile die Treppe hinunter und sehe fassungslos und erstarrt in das völlig verwüstete Zimmer. Die beiden Betten sind über- und ineinander verkeilt, ein Holzlehnstuhl, der draußen stand, ist mit eingeklemmt. Ich greife entgeistert nach der Tasche, die sich wohl hoch oben schwimmend auf dem Bettpfosten gerettet hat. Ich ergreife sie, mach’ den Reißverschluss auf: alles trocken! Ich halte den Gürtel in der Hand. Und dann steht plötzlich Ricarda da: „Los, los, komm, schnell…zieh dir die Hose an und komm!“ Ricarda muss mich fast stoßen, ich bin wie angewurzelt. Weiter weg rufen die Einheimischen: „Nun aber ganz schnell! Another one is coming!“ Die unhandliche Tasche mitschleppend, barfuß durch Wasser und Schlamm. Peer ist da und ruft: „Nicht, dort ist ein tiefes Loch….hier!“ Wir erreichen stolpernd die schmale Teerstraße, die wieder frei vom Wasser ist. „Lass die Tasche fallen!“ ruft Ricarda, Peer hinter mir, schnappt sie sich und wirft sie dann im hohen Bogen in ein Gestrüpp und rast mit uns weiter. Die Einheimischen zupfen uns am Arm: „Here, here…no, no…here, here!“ und zeigen uns einen schmalen Weg auf einen Hügel. Wir sind außer Atem und verstehen nicht, was passiert ist, warum?
Die Einheimischen holen uns sofort in ihren Innenhof ihrer Lehmhütte, legen ihre Strohmatten in den Schatten für uns. Es ist heiß, und die Sonne brennt. Beate hat das schmutzige, blutige Betttuch um ihren Unterarm gewickelt, sie zittert. Sie hat sich beim Eindringen der Wassermassen in ihr Zimmer eine große, tiefe, stark blutende Fleischwunde am Unterarm zugezogen. Wir suchen ihr ein schattiges Plätzchen. Ein einheimischer alter Mann bringt ein kleines Fläschchen mit Alkohol, und es tut irre weh, als ich Tropfen auf die bös aussehende große Wunde gebe. Beate schreit vor Schmerz, und es blutet wieder. Sie ist nur mit einem Minihemdchen für die Nacht bekleidet. Ein einheimischer junger Mann nimmt einen schmutzigen Lappen von seinem Finger, die Fingerkuppe hängt nur noch an einem Zipfel. Er stöhnt, als ich den Alkohol auf den blutigen Finger tropfe. Neben mir steht ein Mann mit einem großen Loch im Bein, dort versucht jemand, den Arm einzurenken, an dem der Knochen quer heraussteht. Ein Einheimischer, der jammernd zusammenbricht, wird von Freunden aufgefangen. Er hat seine Frau, Kinder und Haus verloren… weggespült in wenigen Minuten.
Ricarda, die sich in der Nacht mit Jeans und T-Shirt zum Schlafen aufs Bett gelegt hatte, zieht ihr T-Shirt aus und hat nun nur noch den BH an. Sie gibt Nicole ihr Hemd, die nur mit einem grauen Tuch bedeckt ist, das ihr jemand zugeworfen hatte, als sie splitternackt panisch davongerannt war. Ein Italiener gibt ihr eine weite Shorts. Peer taucht plötzlich auf. Er hat nur noch seine Badehose und seine Designer-Sonnenbrille! Die Einheimischen bringen uns Tee und einigen den wenigen Reis, den sie noch haben. Ein Mädel hat ein Heft und schreibt geistesgegenwärtig die Namen aller auf, die sich gerettet haben. Tatsächlich sind wir ein paar Tage später auf der Botschaft und im Auswärtigen Amt registriert!
„The next one is coming!”
Wir schauen entgeistert einen Hang auf ein Reisfeld hinab, das Wasser kommt wieder und steigt.. und schiebt sich weiter hoch. Ein junger Mann, überall blutig verschrammt, sitzt völlig apathisch zusammengesunken neben uns. Wo ist seine Freundin? Er hatte mit ihr einen idyllischen Lehmbungalow gemietet, direkt am Strand. Er war gerade in der Dusche, und sie lag entspannt auf dem Bett, als sie sich plötzlich, innerhalb weniger Sekunden, in einer trüben Brühe zwischen Brettern und trockenen Palmwedeln wiederfanden. Das Wasser brodelte, er konnte gerade noch schwimmend ein Kind mit einem Arm packen und sich später irgendwo festhalten. Seine Freundin verlor er aus den Augen. Es ist auf einmal so unwichtig geworden, dass unsere Kameras, Pässe, Geld, Karten, Flugscheine und Klamotten weg sind! WIR haben uns alle noch, dank der Hilfen der locals. Aber: Wo sind Deepal und die Jungs? Frauen beten und klagen. Es gibt ein Handy, ein Gespräch nach Deutschland: „Ihr müsst sofort den ADAC anrufen, der gleich einen Hubschrauber herschicken soll, um uns hier wegzuholen, wir sind völlig abgeschnitten!“
In notdürftig gebauten Tragen aus Stöcken und Tüchern werden die ersten Toten von den überlebenden Männern hier im Dorf nach oben gebracht. Zwei Hütten weiter gibt es eine kleine Krankenstation, wo die Wunden provisorisch verbunden werden. Dort liegen schon einige zugedeckte Tote. Eine junge Engländerin läuft aufgeregt, verstört immer auf und ab und auf und ab. 2 Stunden später kommt ein Traktor den Hügel herauf, der mit locals und Europäern beladen ist, die sich woanders retten konnten. Diese Wiedersehensfreude und Umarmungen und Tränen waren ergreifend. Die Engländerin glaubte, ihren Mann und 3 Kinder in den Fluten verloren zu haben, und sie wiederum hatten niemals ihre Mutter wohlbehalten auf dem Hügel erwartet. In der Zwischenzeit wird die Freundin gefunden und tot mit anderen auf den Hügel gebracht. Ihr Freund geht auf die Suche nach etwas Wasser, um sie vom Schmutz zu säubern. Das Wasser geht wieder zurück! Um 14 Uhr soll die nächste Welle kommen. Wer sind diese Panikmacher? Es stimmt Gott sei Dank nicht. Die Eisenbrücke ist zusammengestürzt, und wir sind abgeschnitten von Pottuvil. Ein Hubschrauber ist zu sehen, der landet. Soldaten steigen aus. Wir hoffen auf Rettung für die Verletzten. Minister mit Freunden steigen ein, die etwas unterhalb in einem Bungalow die Feiertage hatten verbringen wollen. Und dann passiert für Stunden nix! Die Sonne brennt heiß vom Himmel. Wir sitzen eng, teils dösend, dem Schicksal ergeben, aneinandergedrängt im Schatten in der Hitze. Es gibt keine Creme!
Plötzlich steht Duminda da, unser junger Fahrer. Er ist voller Freude, uns zu sehen, und wir umarmen uns fest. Wo sind die anderen, und was ist mit Deepal? Peer, der von jemandem ein durchlöchertes T-Shirt bekommen hat, erfragt sich ein Paar Schlappen und sagt mir leise, dass er mal gucken geht mit Duminda, und verschwindet.
Und dann landet am späten Nachmittag wieder ein Hubschrauber, der die Schwerverletzten mitnimmt. Eine dicke Europäerin liegt stöhnend und sich krümmend im Gras und wird von 4 Helfern in den Hubschrauber gehievt. Sie treffe ich 2 Tage später in Ampara im Krankenhaus und frage sie besorgt, wie es ihr geht. Sie zeigt mir nur ein kleines Pflästerchen am Zeh!Peer und Duminda laufen nach unten. Das Meer hat Geröll und Schutt und Verwüstungen hinterlassen. Unsere Bungalows aus Beton stehen noch. Duminda steht fassungslos vor seinem totalen Autowrack seines Onkels. Ein Vermögen ist weg. Peers Samsonite-Koffer wird wohl davon geschwommen sein, aber welche Freude: Seine Schuhe sind noch da! Er findet meine durchnässte, versandete Tasche mit Filmen, Kamera, einem T-Shirt und einer nassen Hose, die in den Betten eingeklemmt ist, und stopft alles in die Tasche. Dann sieht er auf der anderen Straßenseite in einiger Entfernung unsere Styropor-Eisbox. Peer schiebt den Deckel zur Seite, grins!, ein paar Flaschen Bier, eine Sektflasche und Eisklumpen gibt es noch. Flugs wirft er 2 Flaschen für Ricarda in meine Tasche. Duminda bückt sich und hebt etwas Rotes auf und drückt es Peer in die Hand: Ricardas Pass und Flugticket? What a miracle, welch ein Zufall! In der Zwischenzeit waren robber überall schneller und hatten sich mit Geld und Karten bereichert! Strahlend kommt Peer zu uns mit der Tasche, und Ricarda kann es nicht glauben, ihren Pass in den Händen zu halten. Ohne Visa kann Ricarda nicht mehr nach Japan einreisen. Ich kann nun T-Shirts und underwear verteilen. „Ricarda, die Designerjacke von Jurgen Lehl ist unversehrt!“ Ein fremdes Gesicht guckt mich wegen dieser Äußerung böse an!
Es dämmert, und jemand meint, wir könnten uns im Haus des Ministers aufhalten. Wir klettern also einen Hang hinunter, es gibt kein Licht, aber Kerzen und eine Feuerstelle draußen. Jemand kocht Reis und eine Linsensuppe. Wir machen uns sorgenvolle Gedanken über Deepal und seine Freunde. Und plötzlich und unerwartet tauchen sie auf. Ist das aber eine Freude! Er erzählt, dass er heute Morgen zeitig über die Brücke gefahren sei, um geschäftlich etwas zu regeln. Sie wollten zurückfahren, als einer von ihnen noch einen Zigarettenwunsch hatte. Und gerade, als sie über die Brücke wollten, kam das Wasser. Rufen, Schreien. Sie ließen noch einige einsteigen, um dann mit ihrem Auto durch die rennenden Menschen gerade noch zu entkommen (story was some different). Dann haben sie für Stunden vielen geholfen und sich dann Gedanken über uns gemacht. Die Brücke war zusammengebrochen. Gemeinsam mit anderen haben sie sich dann ein paar Stunden auf den Weg gemacht, um die Lagune herum, teilweise durch tiefes Wasser bis zur Brust, an angeschwemmten Leichen vorbei, um uns zu suchen. Oben auf dem Berg gab es uns nicht, die Angst war groß, und Deepal suchte uns unter den Toten. Das hatte er auch noch nie gemacht mit seinen 30 Jahren, die Tücher über den Köpfen hochzuheben, bis jemand sagte, dass es unterhalb noch einige Lebende gibt! Und sie waren so erleichtert und voller Freude, uns heil vorzufinden!
Inzwischen ist noch ein Helikopter gelandet. Beate und Nicole können gerade noch mit einsteigen, but no luggage! Ein Rucksack fliegt noch raus, den jemand versucht hat mitzunehmen. Nicole? Peer hat einen dicken Dorn seitlich im Fuß, und wir kriegen das Biest nicht raus ohne Nadel und Pinzette. Es ist inzwischen stockdunkel, es gibt keinen Strom, nur Kerzen leuchten. Die meisten Europäer ziehen es vor, oben auf dem „sicheren“ Hügel im Freien zu übernachten, nicht ohne jedoch vorher die Schränke mit den Laken zu leeren. Eine italienische Familie mit Kindern macht sich auf dem Sofa und den Sesseln zum Schlafen bereit. Es gibt viel zu erzählen. Ich spinkse in ein Schlafzimmer und nehme noch schnell eine verbotene Dusche in der Hitze, Ricarda ist „brav“ und verschwendet kein Wasser. Ich lege mich dort zum Schlafen auf die weißen Betten mit Moskitonetz, welch ein Luxus! Dort, wo gestern Nacht noch die Minister gepennt haben! Peer und Ricarda kommen bald nach. Deepal und seine Jungs schlafen draußen am Feuer, und das sollte eigentlich ein beruhigendes Gefühl sein: Die werden uns schon rausholen, wenn es nötig ist. Aber diese Nacht ist unheimlich, die Palmen rauschen im Wind, dann tröpfelt etwas Regen auf das Dach, die Hunde hören nicht auf zu jaulen, und Menschen klagen und jammern. Höre ich Wasser, das kommt?
Langsam wird es hell, ich habe so unruhig geschlafen, trotz der tollen Betten, fast die besten, die wir in den 3 Wochen haben. Wohl besser als draußen oben im Sand. Ein junges Paar hat heute Morgen seine Rucksäcke im Sand ausgebuddelt und versucht, seine Geldscheine und Papiere zu trocknen.
Die ersten Helikopter kommen, um die Europäer auszufliegen, immer nur 12 Personen, aber keinen Einheimischen und kein Gepäck. Deepals Fahrer wartet auf der anderen Seite der Brücke mit dem großen Auto, und wir beschließen, mit den Jungs zu laufen und uns nicht wieder zu trennen. Drei Stunden Fußmarsch ohne Schuhe? Somit kann auch meine Sandtasche mit Filmen mitkommen. Ich bekomme ein Paar viel zu große Kunststoffschluffen, und der Sand scheuert mir in kurzer Zeit die Zehen wund. So laufen wir wie die Jungs alle barfuß durch die wunderbare Landschaft. Wasserlöcher mit Granitfelsen, die die Menschen an vielen Stellen abgebaut haben. Eine Affenherde beäugt uns neugierig, Kühe grasen friedlich dort drüben, es gibt keine Zäune oder Abgrenzungen oder richtige Wege. Eine kurze Zeit, solange es noch halbwegs trocken ist, stiefelt Peer in seinen wiedergefundenen Superschuhen, er ist der King. Der Dorn sitzt immer noch im Fuß, und erst nach 2 Tagen können wir ihn entfernen. Ein Traktor mit Leuten kommt uns entgegen. Das ist nun im Moment die einzige Verbindung zum Festland. Es ist heiß. Deepal hat ja noch seine Digitalkamera, und so können wir Fotos machen, hurra! Wir laufen durch Reisfelder, der Schlamm quietscht uns zwischen den Zehen. Duminda hält meine Hand, wenn es zu arg rutschig und uneben wird. Gestern mussten die Jungs hier noch teils brusttief durchs Wasser. Plastik, Bretter und Unrat sind bis hierhin geschwemmt. Ich versuche, mit den nackten Füßen in Dumindas Fußspuren zu treten, um sicher zu sein, mir möglichst nicht die Füße zu verletzen. Das Wasser ist zurückgegangen, seit gestern, und reicht mehrmals nur noch bis zu den Knien, eine wunderbare Abkühlung für unsere Füße. Da sitzt ein grasgrüner Vogel auf einem Ast, so nah, dass Ricarda ihn sogar ohne ihre Kontaktlinsen sehen kann! Für sie ist es ganz schwierig, bei minus 8 zu sehen und zu laufen. Wir kommen durch Gestrüpp, und ich sehe einen großen Haufen auf dem Boden. Dann gehen hier wohl auch Elefanten spazieren? Wo waren die Tiere, als die Welle kam? Schon seit langem trägt Peer seine Schuhe in den Händen und muss auch barfuß gehen. Weit im Dunst sehen wir die Hälfte der zerstörten Eisenbrücke, die 100 Jahre unversehrt ausgehalten hatte. Deepal nimmt sein Handy, spricht mit dem Fahrer, der dann an der Straße auf uns wartet. Welch eine Erlösung! Wir werfen uns eschöpft auf die Sitze. Puh, geschafft! Auf der schmalen Straße kommen uns schon die ersten Lastwagen vollbeladen entgegen; die Bevölkerung selbst schickt also bereits Hilfe. An den Behausungen hängen weiße Fähnchen der Trauer. Wir kommen nach Ampara in das Hospital, in das Beate und Nicole hingebracht worden waren. Am Eingang werden Bahren mit Verletzten reingefahren, die zur Registration einfach nur einen Zettel mit einer Zahl ans Handgelenk geknotet bekommen. Peer und ich sind barfuß und er ohne lange Hose, die man ihm sofort geben will und uns auch etwas für die Füße. Wir lehnen dankbar ab, andere brauchen es notwendiger. Beate und Nicole sind schon weg. Wir bekommen noch eine Flasche Wasser und Kekse, nachdem sie unsere Namen notiert haben. Peer hat Fußschmerzen. Wenn er lange sitzt oder die ersten Schritte am nächsten Morgen macht, geht er mühsam und hält sich wie ein Opa, sorry, überall fest. Da hatte ich ja Glück mit meinen trainierten Tangofüßen!
Peer staunt über unseren Fahrer, der 8 Stunden lang gleichmäßig mit äußerste Ruhe und einer Sicherheit das Fahrzeug bei so katastrophalen Straßenverhältnissen lenkt. Deepal kennt ein einheimisches Restaurant, wo wir Wildschwein zu essen bekommen, ist was zäh, und es gibt Bier! Wir versuchen im Nachbarhaus um die Ecke bei Privatleuten zu mailen, der Boss vom Restaurant zieht seine Gummischlappen aus und stellt sie mir hin. Wir werden freudig empfangen, und sie wollen uns gar nicht mehr gehen lassen, aber es klappt nicht, ins Internet zu kommen, obwohl sie alles versuchen für uns. Wir halten in Kandy, um zu übernachten. Peer, Ricarda und ich schlafen todmüde in einem muffeligen Zimmer ohne Fenster ein.
Wir zahlen nix. Den übersüßten Tee mit Mich kann ich nicht trinken. Es geht wieder 4 Stunden weiter nach Colombo. Frische Ananas werden am Straßenrand verkauft. WIE und WO wachsen denn diese saftigen Früchte? Deepal fährt einen schmalen Weg rein und zeigt uns ein Feld. In langen Reihen stehen niedrige, agaveähnliche Pflanzen mit jeweils nur einer einzigen Ananasfrucht auf einem kurzen Stiel. Peer hat inzwischen von Deepal einen Sarong bekommen, und nachdem er gesehen hat, wie man die Ananas essfertig zurechtschneidet, hat er gleich das rostige Messer in der Hand und legt los, als wenn er’s schon immer gemacht hätte. Die der Länge nach aufgeschnittenen Stücke werden mit Salz und Chili bestreut, und wir beißen hungrig in die saftigen Fruchtstücke.
Wir halten an. Die Familie, Eltern, Geschwister und Onkel erwarten ihren Sohn Duminda und sind überglücklich, ihn gesund in ihren Armen halten zu können. In Colombo endlich finden wir Nicole, die in einem Sternehotel mit anderen eine Lagerstatt im Tanzsaal bekommen hat. Die Botschaft stellt notdürftig Papiere wieder her, und jeder bekommt ein wenig Geld. Die Flugzeuge kommen leer hergeflogen, um alle Ausländer wegzuholen. In Europa reden alle von Seuchengefahren, und Nicole und Peer wollen denn dann doch morgen zurückfliegen, ihre Familie ruft. Beate ist ärztlich bestens versorgt worden und ist schon auf dem Heimflug. Wir atmen erleichtert auf.
Peer geht auf die Schnelle Jeans, Schuhe und Hemden kaufen, ich gebe ihm meine Karte. Um nach Hause zu fahren, muss er doch bekleidet sein. Er sieht so fremd aus! Es gab eine italienische Spenderin, von der Nicole das Nötigste bekam: Hose und Bluse.
Wir essen noch alle lecker zusammen im Restaurant eines Engländers, und es gibt Bier. Und da sind so viele Geschichten zu erzählen. Ein hübscher Junge mit Lockenkopf ist völlig betrunken und erzählt lallend, verzweifelt, dass seine ganze Familie wahrscheinlich in Galle umgekommen sei. „Und warum bist Du hier und besäufst Dich, statt nach Galle zu fahren?“ meint der Engländer.
In der Zwischenzeit war von Ricarda ja beschlossen worden, keine Ferien zu machen, sondern eine Hilfsaktion mit Deepal und den Jungs zu starten. Ohne die Hilfe der Einheimischen hätten wir nicht überlebt. Sicherlich wird dort so schnell keine Hilfe ankommen. Wir werden etwas unternehmen. Wir sind ja in Colombo und haben immer noch keine Schuhe. Ich finde schließlich ein Paar hässliche Gummiflipflops, und kurz darauf zeigt mir Ricarda ihre, die sie woanders gekauft hat: „Na, da biste aber neidisch, meine sind viiiel schöner!“ Wir haben endlich etwas unter den Fußsohlen und ergattern noch schnell 2 frische T-Shirts.
Wir suchen ein Internet-Café, um uns endlich zu Hause zu melden. Ich komme nicht in meine mail, ohne Brille bin auch ich blind und drücke Komma statt Punkt. Bin verzweifelt, die meistgebrauchten Tasten sind leer, abgegriffen. Ich halte die Tastatur weit weg und ahne nur, was ich schreibe und drücke. Ricarda ist viel schlimmer dran. Sie sieht seit 3 Tagen sozusagen nichts und kommt sich unbeholfen vor. So oft kommt von mir: „Guck mal!“ „Seh‘ doch nix!“ Ich vergesse es immer, sorry. Deepal fährt uns zu einem Optiker, der zwar die speziellen Kontaktlinsen nicht machen kann, aber bis morgen die Brillen anfertigt. Puh!
Im Eingang der Banken stehen hoch aufgetürmt Kisten und Kasten, die die locals für Hilfsbedürftige hier als Spende abgegeben haben. Wir plündern die Konten, ich habe zum Glück Ricardas neue Karte der Deutschen Bank. Wir haben überlebt durch die Hilfe der locals, ein schon beeindruckendes Gefühl. In Arugam Bay gibt es auf 15 km zweitausend Tote. So ist unser Beschluss klar: Wir wollen helfen! Deepal, sein Freund Saman, das Auto mit unserem Fahrer Razeek machen mit. Es muss ein Truck her!
Im Supermarkt wird aufgefordert, einzukaufen, zum halben Preis, und zu spenden. Ricarda und Deepal verhandeln mit dem Geschäftsführer und legen los, Reissäcke, Linsensäcke, Tee, Gewürze, Milchpulver, Trockenfisch und vieles mehr auszuwählen, und lassen alles zurücklegen. Deepal kauft einen großen, flachen, gekühlten, braunen Tontopf mit frischem Joghurt, den wir mit Genuss mit Honig zu Hause bei seiner Mutter löffeln.
Wir holen die Brillen ab, Ricarda: „Was für ein highlight, endlich sehe ich wieder!“ Nun geht’s in einen Shop, und Ricarda kauft sich endlich eine neue Jeans, denn sie trägt immer noch die, die sie in den braunen Tsunamiwellen anhatte. Ob die alte nun vor lauter Dreck alleine stehen kann?
Wir halten an einer Apotheke. Ich kämpfe mit meiner Sonnenallergie, die Blasen an Händen und Armen kratze ich mir ständig auf. Unser Taxidriver verzichtet auf seinen kleinen Lohn, damit wir mehr einkaufen können. Er hatte eben einen Vater zum Flughafen gefahren, der seinen 4jährigen Sohn am Strand verloren und nicht mehr gefunden hat. Er erzählt, dass seine Familie seit Generationen ein Optikergeschäft hat. Er ist gelernter Optiker, hat aber die „falsche“ Frau geheiratet, und seine Familie hat ihn daraufhin ausgestoßen. Nun ist er nur noch Taxidriver. Wir werden von einem Frankfurter Arbeitslosen angesprochen, der als Freiwilliger sich für Indien und Sri Lanka einer Hilfsaktion angeschlossen hat.
Es gibt kein Bier heute, das government hat den heutigen Tag zum Gedenktag bestimmt, im Taxiradio werden Lieder gebracht mit ergeifenden Texten:
You are the light, don’t let it.
In this gloomiest and darkest time
Hope and faith will carry you through.
You have to go hand in hand
With all the brothers and sisters
You are the warrior,
Be proud ,
Proud to be a Srilankan.
Heute ist Wielands Geburtstag. Sicherlich hat er aufgepasst, daß uns nichts passiert ist. Es ist schon dunkel, und wir sehen an einer großen Kreuzung einen Stand, an dem Alukochtöpfe, -schalen, -becher und -löffel verkauft werden. In einer Seitenverkaufsstraße wühlt Ricarda in Kisten und wählt in allen Größen underwears aus.
Der Chef des hardwareshop, wo wir Nägel, Hämmer und Wellblech kaufen, sitzt in einem riesigen Papierstapel, bedient gleich mehrere Einkäufer und meint, er verdiene seit 3 Tagen nichts, alles gehe zum Einkaufpreis weg. Von unserer Idee ist er so begeistert, dass er uns nebenbei noch schnell ohne Entgelt seinen Truck mit Fahrer zur Verfügung stellt. Nur Benzin und ein Taschengeld für den Fahrer ist unser Preis. Um 12 a.m. würde der Truck an Deepals Haus stehen. Ich bekomme ein Gespräch mit , das kann Ricarda besser erzählen:
Ricarda: The hole
We are sitting in the hardwareshop, to finalise our order for the first truck. The manager sitting in a mass of paper, giving us whole salesprice, offers us his truck with a driver and is giving some advice about necessary equipment, to build a temporary shelter. We are sitting in front of two guys, who, between dealing with us, answer phonecalls, sign numerous papers, shout out orders and do god knows what else. Deepal is busy otherwise, when one of the two asks us: Are you sure you wanna go back to the coast? I just heard in the news that an indian scientist has announced…” The phone rings again: “There apparently happens to be a hole in the Pacific Ocean since the Tsunami. The scientist says that logically the hole will have to be filled and in fact Sri Lanka is an obvious option to go into that hole!” I am deliberately not looking at mum. I start to feel a little…ions. Just the day before Nicole and Peer took the plane back to Germany. Us too, we could have been on that plane… The guy is not finished yet. “Well, the next 10 days will be critical. Nobody seems to listen, but it is a scientific fact!” 10 days, that is exactly the remaining time of my holiday. Back in the car, waiting for Deepal, my mum is asking carefully : “Did you hear, what that guy was talking about?” “Yes, there seems to be a big hole and the whole island including the two of us might go into it. Fact is, we cannot leave now, we have a truck half filled with goods to go back to the coast. We cannot possibly chicken out now! I am staying!” “Well, knowing that I cannot take you out of this, I do not think this is very funny, but hell, if we are going to fill the hole, we go together. I am not leaving you!” Gotta love my mum. It later turns out that it was a false alarm, but a pretty scary thought, I do have to admit.
Einkäufe, geschäftliche Gespräche, Hotelreservierungen werden in englischer Sprache abgewickelt, auch untereinander. Wir können es nicht glauben, denn Zeit, die nehmen sie hier nicht so genau, unser Truck steht tatsächlich pünktlich geladen da. Nun heißt es, flott noch die Einkäufe vom Supermarkt dazuzupacken. Wir fahren abends noch los bis Kandy. Der Verkehr ist wieder verheerend, Stau und Abgase. Wir vermissen Peers köstlich-erfrischende Wortspielereien. Duminda und sein Vater steigen dazu, um uns zu helfen. Wir sind begeistert. Wir fahren an Obstständen vorbei mit Ananas, Mangos und Holzäpfeln. In unserem guesthouse wird unser Truck unter sicher unterm Dach geparkt, damit nichts drankommt. Cleopatra gesellt sich mit ihrem Lover zu uns, und das muss Ricarda erzählen:
Ricarda:
It is the 31st of December. New Years eve is declared “National Mourning Day”. No parties, no alcohol. Well, we manage to get a case of beer under the counter on our way to Kandy, where we stop for the night. Arriving at the little guesthouse, we open some beers and sit down with bills to calculate. Once again another strange way to celebrate the New Year. Our little truck is parked under the terrace roof to keep out precious goods save and dry. All of a sudden, Deepal looks up and whispers: “Oh, man, look, who is coming!” And there she is. The incarnation of Cleopatra herself, dressed in a blue gaze gown and a sparkling head decoration, floating onto the veranda. “Oh madame, madame, isn’t it all so awfull?”, she says, face crunched in sadness, addressing my mum. Mum is puzzled once again but keeps a smile going. Cleopatra is just elaborating the fact that she cares about what happened so much and that she got delayed on her way to an Ashram in India (to find her true self?), when her elder boyfriend enters the scene. Glory, he could not have been more Italian, wearing a beige pants, cream shirts, white silk scarf, his blazer loosely hanging off his shoulders. At the same time he signals his mistress in Italy to stop crying and being sympathetic. “Are Sri Lankan women the same as Italian women!”, he asks one of the staff. “They keep on bothering you.” What a couple and what a w-nk-r! Before he and Cleopatra are off to town looking for a party (guess, the no party rule news hadn’t reached them). Fifteen minutes later they returned. I guess, the no party rule reached them, they disappeared within seconds. In my head I just imagine the two of them in the Ashram together in floating gowns, finding the TRUTH…
PEOPLE: very interesting.
6 a.m. aufstehen, den wieder übersüßten Tee mit Milch im Stehen krieg’ ich nicht geschluckt. Im Osten vom Gebirge hat es die ganzen Tage mächtig geregnet. Die Berge dampfen. Wolken hängen tief über den sattgrünen Reisfeldern. Eine Affenfamilie mit roten Nasen hockt am Wegrand. Erdrutsche sind von der Nässe auf die Straßen gefallen. Die Bäche sind reißend. 120 km vor Pottuvil kaufen wir in einem Ort noch 2 Ballen Baumwollstoff. Diese 160m werden alle 2 Meter zerschnitten. Wir falten sie brav zusammen. Vom Chef des Ladens müssen die Stoffteile dann noch abgezählt und in Kisten auf unseren Truck geladen werden. Eine der Verkäuferinnen schreibt am 15.1.2005 einen Brief an Ricarda:
Dear Ricarda,
I like to recognize you and share letters with you. So, I’m write this letter. Certenly, you are a best friend. Also, I think you as a very friend. I was very like to talk with you. But, it is emergency time. Hence, I thought to ask your address and send a letter to you. Srilanka is most attractive Country. But, you’ had to faced to Tsunami accedent in my country. I’m worry about it. But, you are very lucky persons because you can to remove from that accedent. After the Tsunami you helped to people in Ampara. I respect to your habbits. I wrote lot of imformations. But you don’t know about me. I’m Chandra Ramanayake from Srilanka. I work in Mahiyangana Salusala Coperation. Also I’m a friend meet after Tsunami to you. One day you bought lot of bedsheets from our branch. Then, I was ask your address from you. Can you remember me? Now I think you can recognize me. I think you have a relection about me. You were serve to Srilankan people. I thanks to you about it. We live in where ever we want to serve our happy, sad and experiences too. So, please reply soon. I will hope a letter from you. I wish to have a nice future and good luck.
from Chandra Ramanayaka
Die Polizei hat erlassen, jeden zu erschießen, der klaut, Tote ausraubt und in zerstörten Häusern Werte herausholt. In Galle sind schon zwei Räuber erschossen worden. Heute früh soll ein Truck hier auf dem Weg, nördlich von uns, von den Tamilen geraubt worden sein. Der Norden ist stark betroffen, und das government kümmert sich dort gar nicht um die Menschen.
Wir kaufen noch Trockenfisch und Tee. Es gibt kaum noch Trinkwasser zu kaufen, hier mal 7 Fünfliterflaschen und da 30 kleine Flaschen. Die laden wir noch. Wir sind umsorgt von den beiden Fahrern im Lastwagen und 6 locals; außerdem haben wir ja Deepal mit Handy-Verbindung zum Truck und seine Digitalkamera. Die Jungs füllen im Auto die 20 eben gekauften Taschenlampen mit Batterien. Die Straße wird immer schlechter. Weiße Stofffetzen und -streifen flattern über die Straße, Zeichen der Trauer. Für die 280 km brauchen wir 8 Stunden. Wollen schnell was futtern gehen. Die Teller sind mit einer Folie bedeckt, darauf kommt der klumpige kalte Reis, und man löffelt sich Linsen und eine scharfe Soße drüber. DIE Junggesellenidee! Es gibt Wasser zu trinken, Tee und ein paar frisch gepflückte Bananen dazu. Der Wirt hört von unserer Aktion und will auch kein Geld.
Ricarda stellt sich auf eine Eisenwaage, auf der die Säcke abgewogen werden, und stellt mit den entsprechenden Gewichten eine Balance her. Wir überholen einen großen Tankwagen mit Wasser von Unicef. Kleine, wunderschöne, graugestreifte Wildkatzen sehe ich mehrmals am Straßenrand im Busch verschwinden. Büffel grasen ruhig weiter weg, die weißen kleinen Vögel sitzen dicht bei ihnen und befreien sie unentwegt von lästigem Ungeziefer. Weiße Seerosen blühen in den sumpfigen Teichen. Die Häuser sind oft nur aus Lehm gebaut und mit getrockneten Palmwedeln gedeckt. Kurz vor dem kleinen Nationalpark halten wir bei Freunden von Deepal an. Wir bewundern die Ahnengalerie, und Deepal lädt seinen in Colombo neu gekauften Laptop auf und scannt unsere Fotos ein. Sein Computer ist doch auch in den Wellen zerstört worden. Sie sagen, dass es im Dorf Arugam niemanden mehr gibt. Wir wissen noch nicht, dass das nicht stimmt. Wir lassen uns von einem Militärauto begleiten, es könnte gefährlich werden.
Wir wollen unsere Ladung teilen, fahren in die Schule in Pottuvil. Was braucht Ihr? In einem Raum liegt achtlos ein Berg Kleidung, den die Menschen hier offensichtlich NICHT benötigen. Ricarda liest vor, was wir haben, und beschließt dann, was wir morgen bringen. „What’s the name of your organisation?” Ricarda und Deepal sehen sich fragend an: „The people for the people“. Grins! Ich werde umringt von Schuljungs, ich muss ein Foto machen, das sie neugierig in der Kamera betrachten, und ich werde mit Adressen bombardiert, damit ich ihnen das Foto später schicke. Im Budda-Tempel halten sich auch Flüchtlinge auf. Wir passieren eine wacklige Holzbrücke und fahren durch den schwarzen Urwald auf aufgeweichten Straßen. Im Dorf, durch das wir fahren, gibt es nur Kerzenlicht, es ist arg dunkel. Ein grünes Militärauto folgt uns zum Schutz. Es ist nötig. Räuber sollen sich unter die Flüchtlinge mischen, und das könnte unangenehm werden! Ricarda zieht mit ihrer Liste los. Dann fahren wir zum Roten Kreuz. Hier werden hauptsächlich Medikamente gebraucht. Den Rest unserer Ladung wollen wir doch nach Arugam bringen, für die wenigen, die noch da sein sollen. Wir fahren auf der schmalen Straße zurück durch den Nationalpark. Es ist stockdunkel. Ein Elefant steht rechts im Graben. Unser Fahrer drückt aufs Gas und düst ganz schnell vorbei. Da! Vor uns sehen wir einen großen grauen Schatten im Scheinwerferlicht. Wir drosseln sofort die Geschwindigkeit. Wir sind alle erschrocken. Ganz langsam weiterfahren! Ein Riesenelefant, der den ganzen Weg einnimmt, bewegt sich langsam vor uns. Die Spannung steigt, wir können nicht drehen, Zikaden und Frösche machen einen Höllenlärm, der Urwaldriese sieht für uns bedrohlich aus, er bleibt stehen und dreht sich, steht quer und sucht mit seinem Rüssel am Straßenrand, der Motor läuft. Ricarda: “Mutter, nun schrei bloß nicht!“ Wir halten die Luft an, wir flüstern nur. Adrenalin steigt! Ganz langsam weiterfahren! Der Koloss bewegt sich wieder vor uns im Zeitlupentempo. „Don’t scream, Mum!“ Wir kommen näher, ganz langsam, uns kommt das wie eine Ewigkeit vor, und dann biegt er ab ins Gestrüpp, und wir geben erleichtert Gas. Deepal erzählt, dass seine Großeltern 2 Elefanten im Garten haben, die ganz zahm sind und die er als Kind immer viel geritten ist. Beim Verabschieden seien seinem Lieblingselefanten immer Tränen aus den Augen gekullert. Saman ist, als er 20 war, allerdings zweimal von Elfanten verfolgt worden, und er ist um sein Leben gerannt. Großen Respekt sollte man schon haben, Jungbullen, die von der Herde ausgestoßen worden sind, können aggressiv werden.
Im nächsten Dorf ist bis auf 2 Lichtlein alles stockdunkel. Durch einen Hintereingang kommen wir in einen kunterbunten Laden. “Wieviel Flipflops habt Ihr?“ „Soviel Ihr wollt!“ „100?“ Und dann rückt er in diesem Durcheinander nur 46 raus! Kein Wunder, denn hier stehen Tee neben Waschpulver, Gewürze neben der Seife, Süßigkeiten neben dem Ölkanister, sieht aber toll aus! Wir erzählen unser Elefantenabenteuer, und der Ladenbesitzer grinst und meint nur, er würde immer mit dem Fahrrad dran vorbeifahren. Deepals Freunde erwarten uns. Ricarda und ich sollen zuerst und alleine essen. Auf den Schüsseln liegt auseinandergefaltetes Zeitungspapier gegen die lästigen Fliegen. Als Kind kann ich mich an so etwas noch gut erinnern. Da man hier ja nur mit den Fingern isst, holt die Mama uns 2 kleine Teelöffel. Sie gibt uns eine Portion graubraunen Reis, Linsen und Trockenfisch mit ganz scharfem Curry und frisch geraspelte Cocos. Wir trinken abgekochtes Brunnenwasser, das ein bisschen grautrüb ausschaut. Zum „Nachtisch“ hat dann Mum eine große eckige Blechdose im Arm und macht vorsichtig den Deckel auf: grauer Zucker! Mit 2 Fingerspitzen darfst Du Dir eine Prise raus nehmen, eine teure Spezialität. Die Dose hütet sie wie ihren Augapfel. Ricarda und ich haben gegessen, dann erst essen die Jungs, und als DIE fertig sind, isst der jüngste Sohn. Wie hier üblich, kneten sie mit den 5 Fingern der rechten Hand Reis, Linsen, Fisch und Sauce ziemlich lange, bevor sie diesen Brei dann in den Mund stopfen. Im Wasser der großen Glasschüssel, die auf dem Tisch steht, waschen sie dann ihre rechte Hand, wenn sie mit dem Essen fertig sind. Und wann essen die Mädels? Welche Hierarchie? Der kleine Sohnemann sitzt mit seinem nackten Po auf Papas Schoß, und plötzlich plätschert ein keiner Strahl auf den Boden der Küche. Der Vater nimmt das ganz gelassen, während die junge Mutter mit einem Lappen schnell die Pfütze aufwischt.
Wir bekommen das “Elternschlafzimmer“. Dort stehen 2 schlichte Betten. Die Jungs bringen uns noch ein Bierchen, das wir genüsslich aus der Flasche schlürfen, vom Haus kommen alle neugierig gucken, und es wird gelacht, und Mama deckt uns liebevoll zu.Die anderen schlafen alle nebeneinander auf dem Fußboden im großen Wohnraum, und Deepal schnarcht, dass die Wände wackeln. Nur ein Stoff trennt uns von den anderen. Die Fenster haben Scheiben und oft auch Gitter, die immer geschlossen sind. Das Dach liegt etwa 30 cm höher als die Wände, somit ist es immer luftig. Ich muss mal raus und taste mich an den Schnarchern vorbei durch die Küche ins Freie. Was für eine herrliche kühle Luft! Der Mond hilft mir, zwischen den Bananenblättern das Örtchen zu finden. Ich taste nach dem kleinen Häkchen ganz oben, um die vom vielen Regen vermoderte Türe halbwegs zu schließen. So tief in die Hocke zu gehen, geht ja noch, aber das Aufstehen! Tja, und dann laufe ich durch die Bananenblätter zum Wasserhahn, nehme den vollen Eimer, um das Klo zu säubern.
Draußen Zähne schrubben am Wasserhahn, den Blick auf Bananen und Reisfelder. Ein schillernder eitler Pfau schaut uns graziös zu. Am Haus wird unser Truck entladen, und es wird geteilt. Die 200 Zimttüten, 100 Currytüten, das Milchpulver, Kochtöpfe, Messer und die anderen Sachen, geteilt durch 4, und ein Stoß extra für eine Frau, die ganz neu anfangen muss. Der Trockenfisch stinkt erbärmlich. Ricarda schreibt, rechnet und gibt Anweisung für die Verteilung. Und alles muss wieder hintereinander aufgeladen werden.
Wir fahren zum Buddha-Tempel, um die versprochenen Lebensmittel abzugeben. Ricarda verteilt die underwears. Die Frauen stehen Schlange, und Ricarda schätzt ab, welche Größe nun wem passt. Zwei Mädels ziehen eine lange Schlappe, als sie diese langweiligen, hellrosa, -gelben und -blauen Unterhosen sehen: „Sorry, I was not able to buy the sexy ones.“ Ein Mann kommt auf Ricarda zu und fragt, ob sie denn auch einen Fernseher dabei hätte, aber einen großen, und in Farbe. „About this I didn’t think, sorry, but next time I bring you one.” Auf dem Platz am Tempel steht ein riesiger, verkrüppelter 1200 Jahre alter Bhoo tree. Wir fahren noch zur Schule. Dort lassen wir vor allem Kochtöpfe. “What’s the name of your organisation?“ „The people for the people“…coordinated by Deepals desaster tour! Hi! Weiter nun nach Arugam. Durch den vielen Regen sind die Straßen aufgeweicht, wir fahren langsam durch die Wasserfurchen. Da müssen ja gewaltige Wassermengen vom Himmel gekommen sein! Eine kleine Guana-Echse flitzt vor unserem Auto vorbei. Saman: „Die haben wir als Kinder mit einer Gummiflitsche beschossen.“ In Pottuvil tauchen plötzlich zwei aufgeregte, verbissene Bleichgesichter auf und stürzen einfach so ins police office, in dem Ricarda und Deepal mit dem Inspektor verhandeln: „Wir sind vom österreichischen Außenministerium geschickt worden und suchen Landsleute, tot oder lebendig“, und erzählen Horrorstories über Massengräber. Alles guckt ganz verdutzt ob dieser Lautstärke und Penetranz. Keiner lässt sich aus der Ruhe bringen. Später Ricarda zu Deepal: “Nun kannst Du Dir vorstellen, wie Deutsche oder Österreicher auch sein können!“ Hups! Wir kommen zur Eisenbrücke, die Hälfte ist eingestürzt, das Meer rauscht unschuldig und ruhig etwas weiter entfernt. Bis weit draußen ist das sonst glasklare Wasser braun.
Damit uns nix geklaut wird, begleitet uns ein bewaffneter Polizist, der uns auch kleine Boote besorgt. Von hier müssen wir alles darauf verladen. Auf der anderen Seite warten wir lange auf den Traktor mit Anhänger, der uns den einen Kilometer nach Arugam Bay bringen soll. Jemand verteilt Mundschutz und Gummihandschuhe. Wofür?
Wir tuckern am Strand entlang und passieren das schönste gewesene Resort, das vor 15 Jahren hier das erste war: STARDUST HOTEL Is the first place you reach, after leaving Pottuvil. It’s a Danish owed stylish place with a pretty garden.There are two types of cabanas, simple grass huts and fancy cabanas. There are “luxury” rooms (if luxury, means no hot water or air condition). The food is to die for, it has a mouthwatering menue.
Diese Anlage ist bis auf ein paar Mauerreste weggeschwemmt. Von den beschriebenen idyllischen cabanas ist nichts mehr zu sehen. Zwischen zwei Palmen baumelt traurig eine Hängematte. Eigentlich hatte Ricarda sich dieses resort für uns ausgesucht. Diesen Dänen hat Deepal weit in der Lagune in den Reisfeldern tot angeschwemmt gesehen, als er uns an dem Tag suchen ging. Wir fahren an Ruinen vorbei, manche Schilder zeugen noch von den Namen der Anlagen. Die biegsamen Palmen stehen überall unversehrt. Der schönste Strand der Welt…wie verwüstet und schmutzig ist er nun, und wie abstoßend das noch vor ein paar Tagen so tiefblaue Meer. Hier war der Tourismus noch schwach. Überall Trümmer, Mauerreste. Wir biegen ab zur Straße, die hier noch halbwegs intakt und schon freigräumt ist. Unsere Bungalows sind die wenigen, die noch stehen, Beton! Drumherum ein Desaster. Überall liegen Wracks auf der Seite, auf dem Kopf, völlig zerbeulte, zerdrückte kleine und große Autos, Jeeps, Busse und Laster. Wir halten vor der Polizeistation, die auch noch steht. Gegenüber ist der BIERGARTEN, SIAM VIEW, dort, wo wir am 25. abends gesessen haben. Fred, der Besitzer, steht plötzlich vor Ricarda: „Hey Ricarda, Dich hier wiederzusehen, ist aber eine Freude!“ und sie umarmen sich fest.
Wir verteilen mit Deepal und Helfern schippenweise den Reis und die Linsen aus den Säcken. Die Leute stehen Schlange und halten uns Tüten, Tücher und was sie so haben dankbar entgegen. Letzte Reislöffel, Nudelpakete, Wasserflaschen, Seife, Milchpulver und Medizin werden vergeben. Den stinkenden Trockenfisch, lose in Pappkisten gepackt, verteilt Ricarda mit 2 Fingern; manche rümpfen die Nase, weil sie nur frischen Fisch gewohnt sind. Einer, der die Einheimischen hier gut kennt, passt auf, dass niemand mehrmals die Hände aufhält.
Kurz vor Sonnenuntergang – wir sind völlig geschafft – kommt Fred: „Ich habe eine Überraschung für Euch.“ Sein Biergarten hat, nun etwas schief, nebst 2. Stock und Bieranlage den Tsunami überstanden. Er drückt uns jedem ein großes Glas frisch gezapftes kühles Bier in die Hand. Wir können es nicht glauben. Ein schnell organisierter Generator sorgt für Strom. “Wir haben im Moment mehr Bier als frisches Wasser.“ Die Welle ist unten durchgeschossen und oben drübergeschwappt. Eine Eiskiste voll Fleisch wurde weggerissen. Da sie abgeschlossen war, wurde sie nicht ausgeraubt, unversehrt mit Inhalt steht sie wieder da. Es mangelt nur an Reis. Ein junger Einheimischer mit dreadlocks erzählt, er hätte sich sofort auf sein Surfbrett geschwungen, sei auf der brodelnden Brühe gesurft und hätte gleich 6 Kinder gerettet. Und als eine Mauer zusammenzubrechen drohte, sei er ihr gerade noch geschickt ausgewichen. Er hat keine Schuhe mehr. Und weil ich ihm ein paar neue Flipflops geben kann, ist er überglücklich vor Freude.
Fred hatte gerade mit einem neuen Bau angefangen, von dem erst 6 Betonsäulen und die Betondecke standen, wo das Wasser einfach durchschießen konnte. Er und alle seine Gäste retteten sich dort oben: „Ich habe auf die Stabilität meines Baus vertraut.“ Er ist promovierter Ingenieur und konstruiert Brücken in Asien. Seine Gäste, todmüde oder auch noch voller Alkohol, beobachteten mit einem Gin Tonic in der Hand das Schauspiel. Nach der 1. Welle ist das Wasser so weit zurückgegangen, dass das Meer nicht mehr zu sehen war, um dann mit aller Kraft wieder zurückzukehren. Es wurde danach natürlich auch sofort geraubt. Am Strand lagen später lauter Pässe, die die Diebe mit Taschen und Rucksäcken dorthin geschleppt hatten, um sich zu bereichern.
Inzwischen ist es schon dunkel, und wir müssen zu Fuß in Richtung Brücke in der Hoffnung, dass uns noch ein Boot übersetzt. Anfangs ist die Straße ja noch da, und dann geht’s durch Sand, Schlamm und Wasser. Eine unserer Taschenlampen spendet uns ein wenig Licht. Wir halten uns gegenseitig an der Hand fest. Lange müssen wir auf ein Boot warten. In der Dunkelheit strahlt der Sternenhimmel besonders klar, das Meer rauscht. Die Einheimischen schwafeln ununterbrochen mit Deepal. Endlich können wir einsteigen, das Boot schwankt. Wir müssen uns tief ins Boot setzen, um die Balance herzustellen. Wir werden abgetrieben, im Dunklen ist der Bootsfahrer auch nicht so sicher. Unsere kleine Funzel hilft uns jetzt auch nicht weiter. Über uns hängt bedrohlich die zerstörte Brücke. Wir sitzen auf einer Sandbank fest. Beim Rausklettern müssen wir knietief ins Wasser steigen und erreichen das rettende Ufer.
Es ist 8 Uhr abends, und unser Auto mit Fahrer Razeek wartet auf uns. Deepal hat ihn per Handy zu diesem Zeitpunkt bestellt. So sinnvoll können Handys sein! Wir haben wieder das Gefühl der Sicherheit. Wir halten bei unserem Polizeiinspektor und bedanken uns für die Bewachung des Bootes auf der Hinfahrt. Wir kommen wieder durch das Reservat, und unser Riesenkoloss geht wieder langsam vor uns spazieren. Wir bleiben im Schritttempo hinter ihm. Diesmal sind wir mit genügendem Respekt gelassener und warten, bis er sich bequemt, im Urwald abzubiegen.
Wir haben vor, heute Abend noch bis nach Kandy zu fahren. Wieder bei Deepals Freunden, zeigt er ihnen unsere Fotos von Arugam, die er gleich wieder eingescannt hatte, um Platz in der Kamera zu schaffen. Es wird wieder unentwegt geredet: Ricarda: „Was sind die Männer doch hier für Quasselstrippen!“ Und dann müssen wir hier auch noch essen, denn sie haben extra Wild für uns zubereitet, in kleinen Stücken in scharfer Currysauce, und dazu dampfende Maniokkartoffeln und frisch geraspelte, scharf in Zwiebeln und Knofi angebratene Cocosraspeln. Diesmal essen wir zusammen mit den Jungs, und zum Schluss geht Mom mit der Zuckerdose rund, scharf darauf achtend, dass auch ja niemand mit den zwei Fingern zu tief hineingreift.
Nun ist es dann doch 12 Uhr nachts geworden, es gibt ein großes Abschiedskomitee der ganzen Familie. Wir haben ja noch eine lange Fahrt vor uns. Unser Fahrer fährt wieder die 180 km in 7 Stunden mit derselben Ruhe und Sicherheit auf den kurvenreichen, schlechten Straßen. Wir schlürfen derweil ein warmes Bierchen.
In Kandy angekommen, besorgt uns Deepal per Telefon um 7 a.m. ein einfaches, etwas schmuddeliges Hotel zum localrate, Hauptsache, die Laken sind sauber. Wie überall, sind auch hier alle Fenster vergittert wegen der frei lebenden Affen. Sie tummeln sich überall – oft ungeniert rammelnd – auf Bäumen, Dächern und Telegrafenmasten. Deepal zu Ricarda: “Can have my check card and buy, what you want.“ Ricarda: „Do you know, how much I can buy with it? Never give it ever to any woman of the world!” Flott unter die Dusche. Ricarda: „Ich werde nie wieder ohne Jeans und Pass schlafen gehen!“…und denkt wohl an das erdbebengefährdete Japan. Der Morgen des 26. geht uns nicht aus dem Kopf, und wir sprechen noch eine Weile darüber, froh entspannt lang und sauber liegen zu dürfen. Wir schlafen bis 2 p.m. Ein Zettel von Deepal wird abgegeben. Er muss sich dringend ein paar Tage in seiner Firma sehen lassen. Und unser rabenschwarzer Hotelier soll uns Ayurveda, Herbal Treatments, Lankan Dance und Restauration organisieren. Wir sind so erschöpft und deshalb froh, uns einmal fallen zu lassen. Alles ist schon auf die Stunde genau geplant, und wir fühlen uns zunächst wie im 7. Himmel. Aber bald schon merken wir, dass das, was wir gespart haben, uns der Hotelier wieder abzockt.
Wir werden abgeholt vom Tuck-Tuck Driver zum traditionellen „Kandyan & low country dances of Sri Lanka“. Mit Trommeln, Tamburin, Flöten und Gesang, in wunderschönen farbigen Kostümen bewegen sich, hauptsächlich die Männer, mit ihren dunkelbraunen Körpern elegant im Tanz oder vollführen akrobatische Darbietungen. Jeder Schritt, jede Bewegung wird bei den Kandytänzen von verschiedenen Trommeln vorgeschrieben. Die Musiker spielen, und die Tänzer antworten darauf mit entsprechenden Bewegungen, was einen kriegerischen Effekt ergibt. Am besten gefällt uns der Maskentanz. Die ausdrucksvolle Teufelsmaske symbolisiert den Kampf zwischen einer Kobra und einem Vogel. Durch dieses „exorzistische“ Ritual sollen teuflische Einflüsse ausgetrieben werden. Zum Schluss treten Feuerschlucker und Feuerläufer aus den südlichen Provinzen auf. Der Feuerlauf basiert auf der Sage von Rama und Sita: König Ravan von Sri Lanka hatte einst Sita, eine indische Prinzessin, entführt. Von Rama befreit, bewies sie ihre Unschuld, indem sie barfuß und unverletzt über glühende Kohlen schritt. Bevor ein Feuerläufer heute über die Glut geht, erbittet er den Segen Gottes. Mitten in die Stadt Kandy eingebettet liegt ein großer See. Unser Tuck-Tuck Driver bringt uns in einen Garten, in dem wir gut essen, und danach zur 2stündigen Ayurveda-Massage. Der Ort ist etwas schmierig, schmuddelig. Kurz darauf liegen wir wie 2 Ölsardinen auf mit Plastik bezogenen Liegen. Die Ölmassage ist glitschig-entspannend, die Gesichtsmaske aus sandigem Lehm kühlt. Aber als dann unsere Kopfhaut mit Herbalöl tief einmassiert wird, macht uns das dann doch nachdenklich. „Die werden es wohl wissen, und es mag ja auch gut sein“, sind unsere ersten Gedanken, aber wir sehen einer totalen Verfilzung unserer Haare entgegen. Die inzwischen zu lang gewordenen Nägel werden lieblos-grob geschnitten, den Nagellack für die Zehen dürfen wir wählen. Das viele Öl abzuwaschen, ist sehr mühsam. Ricarda: „Meine Haare fasst nie wieder jemand an!“ Wir fühlen uns betrogen. Ab jetzt bestimmen wir wieder selber!
Unser dunkler Hotelier fragt uns, wie es gestern war, und will uns wieder eine Touristenattraktion im Doppelpack andrehen, hey! Mit uns nicht! Wir flutschen aus seinen Händen. Unser Tuck-Tuck Driver wartet draußen schon auf uns. Zuerst suchen wir eine Apotheke, die Hitzeallergie quält mich. Es juckt, ich kratze, und es gibt kleine Entzündungen, aber was ist das schon, nix! Wäsche schnell abgeben, und wir fahren zu einem Herbal Ayurveda Garden. Unterwegs bewundern wir den unrealistischen Bible Rock, ein Tafelberg, der sich wie ein Würfel am Horizont im Dunst abhebt. Unser Driver lässt uns red & yellow Bananas probieren, different taste at all, und wir schlürfen die frisch aufgeschnittenen, saftigen Mangos. Wir fragen unseren Driver, wie weit es noch sei. „Very close by now“. Sein Handy klingelt, ein Arbeitselefant kommt uns auf der Straße majestätisch entgegen.
In dem Garten wird uns gezeigt, wie Ingwer, Zimt, Kardamom, Koriander, Anis, Kümmel, Sandelholz, Tamarinde und natürlich auch die Ayurvedapflanze selbst wachsen und wie und was nun daraus Heilendes gemacht wird: Öle, Cremes, Tinkturen, Tees gegen Migräne, Knochenschmerzen, Arthrose, Zittern und andere Beschwerden, aber auch zur Massage. Besonders interessant sind für uns das Sandelholzpulver und Zimtöl für die Zähne. Das reine Zimtöl, aus Zimtblättern gewonnen, ist hochwirksam gegen Schüttelfrost, Zahnweh, Ohrenschmerzen, Mundgeruch etc. Unsere Einkaufstüte wird flugs voller und schwerer. Der Beschluss, statt einer Woche Holiday den 2. Truck vorzubereiten, ist gefasst. Deepal und Saman hören von unserem Plan am Telefon, sind begeistert und nehmen Urlaub. Auch unser Driver Razeek will mitmachen. Sogar unser Tuck-Tuck Driver will als bodyguard mitkommen (seine Frau wird es ihm verbieten!). Schnell in einen Laden gehuscht, wo Ricarda schon mal schaut, was die verschiedenen Reissorten oder Linsen kosten. Sie wird noch Reisexpertin. „Don’t do anything without Deepal!“ warnt er am Telefon.
Wir brauchen nun dringend Geld. Es wird wild gemailt, und von Großmutti, Dungerns, Beate, Peer und Nicole wird uns zusammen eine recht große Summe versprochen, wir sind euphorisch.
Wir hören Stories. Im Süden bei Galle ist das Meer 14 km landeinwärts gerast. Ein ganzer Zug ist vom Wasser weggerissen worden, und es gab kaum Überlebende. In Panik verlassene Häuser wurden sofort ausgeraubt. Den Toten wurde der Schmuck vom Hals gerissen und um schneller an die Ringe zu kommen, die Finger abgeschnitten. Kinder, die von ihren Eltern getrennt worden waren, wurden „eingesammelt“ als kostenfreie Handelsware für die asiatische Mafia. Die geraubten Kinder werden verkauft bis nach China für frauenlose Männer (Mangel in China) oder, noch schlimmer, zur Prostitution gezwungen. Wenn das Militär solch eine Bande geschnappt hat, so wurde erzählt, hat es kurzen Prozess gemacht. Um sie loszuwerden, wurden ihnen die Hände und Füße zusammengebunden und die Verbrecher einfach ins Meer geworfen, damit sie ertrinken!
Wir kaufen noch was Billiges zum Anziehen, können ja schlecht im Sommer-T-Shirt und Gummiflipflops nach Hause in die Kälte zurückfliegen. Ich vermisse meine Lieblingsuhr oder überhaupt eine Uhr. Unser Tuck-Tuck Driver lädt uns zum Essen zu sich nach Hause ein. Um sein Uralt-Vehikel zu starten, muss er geduldig jedes Mal außen seitlich eine Startstrippe ziehen, es klappt nie beim ersten Mal. Wir fahren kleine dunkle, bucklige Wege am Hang rauf und runter und halten schließlich vor seinem Haus: „I’m born here.“ Liebevoll kitschig ist der Wohnraum eingerichtet, die beiden großen Plastikblumensträuße sind gegen den Staub noch mal mit Plastik eingepackt. Seine hübsche Frau isst wieder nicht mit, hat aber sehr gut gekocht: Jackfruit, Huhn, roh geraspelte Cocos, Reis und scharfe Currysauce. Es stehen 4 Flaschen Lion Beer für uns bereit. Beer is so much more expensive than food! Für die beiden ist es eine große Ehre, uns als ihre Gäste zu bewirten. Die beiden Kinder, 8 und 16 Jahre, lugen scheu, vorsichtig hinter dem Vorhang hervor. Ricarda möchte nach Deutschland telefonieren: „Can have my handy, no problem!“ Er fährt uns zurück, und er will für die Fahrten, das Essen, Bier und das Telefonat KEIN Geld. „You help us, I’m no rich man, but will help you also.” Das soll sein Beitrag für unsere Hilfsaktion sein. Wir sind beschämt. Er will uns sogar sein Handy mitgeben, falls wir noch mal telefonieren müssen. Wir sind sprachlos!
Frühmorgens singen die Mönche, und die Trommler spielen ihre Rituale. Deepal taucht schon um 7 a.m. auf. Unser Tuck-Tuck Driver hat schon in Eigeninitiative einen großen Truck mit Fahrer für uns besorgt. Nun heißt es einkaufen. Das versprochene Geld ist ja noch nicht da, somit geht’s zu Deepals Bank. In großem Vertrauen zu uns leert er bis auf 10 Dollar sein Konto. Wir zählen die vielen hunderttausend Rupien nach. Das ist dann am Ende so viel Zeug, dass Deepal und Saman jeder sich einen Packen oben in ihre U-hosen klemmen und den Rest Ricarda in ihre neue Tasche stopft. Ein blödes Gefühl! Unser Tuck-Tuck Driver bringt uns in die stores, wo wir am besten und billigsten einkaufen. Ricarda ist doch schon Reiskönigin! Sie ist nur noch am Rechnen, es geht um Pfennige!
600 kg rice (5 Reissäcke)
700 kg lentins
450 kg potatoes
450 kg onions
196 kg dried fish (lose in 4 Kisten – stink!)
65 kg chilly
65 kg curry
325 kg sugar (in Säcken lose)
115 kg salt
80 kg tea (im Sack lose)
650 packets of noodles
250 kg milkpowder (fertig abgepackt)
30 kg baby cereal
120 l drinking water (in bottles)
„Öl zum Braten fehlt noch!“ Eine Gallone, überlegt Ricarda, sind zwei Gießkannen voll, und erschrickt, als ein großes schweres Teerfass mühsam auf den Truck geladen wird. 1 gallon of cooking coconut oil (1 Teerfass voll) Und dann liegt der Berg Scheine auf dem Tisch über etwa 2000 Dollar. Weiter geht’s zum Hardware Shop.
350 cooking pots
70 handmade knifes
170 cups
50 bowls
70 ricespoons
100 G.I. roofsheets
15 m roofisolation
50 local ropes
100 floormats
120 kg nails (lose, 1 kg wrapped in newspaper)
70 hammers
65 saws
20 torches + batteries
76 blankets (3 Stoffballen, immer 2 m abgemessen und
abgeschnitten)
30 G.I. buckets
70 plastic buckets
5 sledge hammers
50 shuffles
129 working gloves
200 rubber flip flops
700 pairs of womens + mens underwear
420 $ worth of various medicine
Unser Truck ist bis oben hin voll beladen. Deepal schreibt sich die Personalien vom Truckfahrer auf. Der ist zutiefst beleidigt, dass wir ihm nicht vertrauen. What shall’s, sorry, sicher ist sicher! Der Truck ist schließlich ein paar tausend Dollar wert, schon ein mulmiges Gefühl. Schnell noch was gefuttert, Kiste Bier besorgt, und um 8 Uhr abends geht’s los, eine stundenlange Fahrt liegt wieder vor uns. Deepals Desastertour is going on! Wir süffeln Bierchen, sind total übermüdet, und Razeek hält geduldig mehrmals an für uns beide – Pipibrake! Und wir hocken kichernd hinterm Van und schauen auf verschlungene Lianen im dusteren Urwald.
Unserem Billigtruck platzen 2 Reifen, der dann so schief steht, dass er droht, umzukippen, und wir sehen schon die Zwiebeln, Nägel und den Reis auf der Straße durcheinanderkullern. Ein neuer Truck muss her. Die Jungs sind Klasse, mit Handy werden Kontakte geknüpft, alles wird umgeladen, und damit gehen wieder Stunden verloren.
Deepal macht ein Telefondate mit der Polizei, denn diesmal ist die Angst vor Überfällen berechtigt. Ricarda und Deepal laufen ins Office, beladen mit Whisky und Zigaretten. Ricara schwärmt von dem großen Schild auf dem Schreibtisch des Inspektors:
E.H.M.KARUNARATNE
SUB INSPECTOR OF POLICE
Er lädt uns für heute Abend zum Essen ein, denn wir hoffen, dann zurück zu sein. Wir bekommen Polizeieskorte mit Gewehren. Wir erreichen die Brücke. Beim Ausladen zerreißen die Nudelpacken, die wir nun einzeln, hochaufgetürmt auf den Armen hinunter zum Ufer tragen. Der „Berg“ wird immer größer. Die Säcke balancieren die Jungs auf dem gebückten Rücken. Hier ist das Wasser so seicht, dass sie nebeneinander im Wasser stehen und sich die Sachen von einem zum anderen zuwerfen, um danach alles nacheinander in die Boote zu bringen, die mehrmals fahren müssen. Wir werden auf beiden Ufern mit guns bewacht. Das Teerfass mit dem Cocosöl ist erst einmal ein Problem. An Seilen befestigt, wird es auf zwei langen Stangen vorsichtig vom Truck herabgelassen, den Hang hinuntergerollt und dann fest verschnürt im Wasser hinter dem Boot zum anderen Ufer gezogen.
Diesmal sind wir nicht die Einzigen, die auf einen Traktor warten. Wir lümmeln uns quasselnd auf unseren Säcken, Schüppen und Nudeln. Ricarda hat Beate in Germany an der Strippe und regelt mit ihr die Finanzen. Wir sind gezwungen, Zeit zu haben, geduldig zu warten. Ein Einheimischer hat seine Katze im Arm und will mit ihr und seinem Hund übersetzen. Der Bootsfahrer will keine Tiere mitnehmen. Der Junge hält unglücklich seine Katze fest. „Vielleicht nimmt das nächste Boot Dich mit. Ganz sicher! “ sag’ ich zu ihm. Und so ist’s denn auch: Er steigt glücklich mit seinen vor dem Tsunami geretteten Tieren ein.
Es gab keine toten Fische, als die große Flutwelle vorüber war. Sie sind vorher weit ins Meer hinausgeschwommen. Die Fischer, die gerade auf See waren, wunderten sich über die leeren Netze an diesem Morgen, und bekamen gar nichts davon mit. Ihre Boote waren unbemerkt nur um einige Meter gestiegen. Hunde, Katzen und die Vögel sind zeitig ins Landinnere geflüchtet. Einige Kinder sind ihren auf einmal davonstürmenden Hundelieblingen hinterhergerannt und wurden dadurch gerettet. In den Nationalparks gab es auch keine toten Tiere. Die Arbeits- oder Touristenelefanten rissen sich von ihren Ketten los und stürmten davon. Ein großes Hotel ist samt Gästen vom Wasser weggerissen worden. Diejenigen, die frühmorgens mit Jeep auf Safari gefahren sind, waren bei ihrer Rückkehr völlig überrascht. Sie hatten überlebt, aber ihre im Safe aufbewahrten Papiere, Geld und Schmuck, ihre Koffer und Klamotten waren weg. Schließlich sitzt Ricarda mit den anderen auf unseren Säcken und fährt schon mal los im Traktoranhänger. Der 2. Traktor wird geladen. Da taucht freudestrahlend unser „Freund“ Capela aus Negombo auf. Wichtigtuerisch, mit breitem Grinsen steigt er aus einem weißen Rot-Kreuz-Jeep aus und fällt mir um den Hals. Durch eine e-mail von Beate weiß er, dass wir heil sind. Er möchte mich im schicken Jeep mit ins Dorf nehmen. Ich verneine, ich harre lieber aus mit dem Rest unserer Ladung bis zur letzten Fahrt und sitze mal gleich in einem Eimer mit Nägeln. Die gleiche Fahrt wieder am Strand entlang. Nach dem Regen hat sich wenig geändert, das Meer ist immer noch britzebraun aufgewühlt. Die ersten Steine und Ziegel sind mancherorts zwischen den immer noch herrschenden Verwüstungen schon säuberlich gestapelt. Wir fahren auf unseren Hügel. Mit seinem Handy hat Deepal erfahren, dass dort nur food benötigt wird. Unsere Jungs sind schon fleißig damit beschäftigt, Tüten zu füllen, die Ricarda schlauerweise in großer Anzahl mitgekauft hat. Wir haben viele freiwillige Helfer. Einige erkennen uns seit unserer Rettung oder von der Fullmoonparty. Ricardas Fans schreiben ihr emsig ihre Adressen auf. Da muss sie aber bald viele Briefe schreiben!
Eine große Schippe Reis in eine Tüte, dazu eine Seife, ein Päckchen Chili, Curry und ein Paket Nudeln, oder eine Schippe rote Linsen, ein Paket Salz, Milchpulver, auch von uns abgepackter Zucker und Tee. Andere füllen Kartoffeln und Zwiebeln in die Tüten. Geordnet liegen dann 3 mal 200 Tüten nebeneinander. Immer mehr Dorfbewohner finden sich ein, wartende Frauen in farbigen Sarongs hocken, geduldig ausharrend, bis verteilt wird. Das Öl wird abgegossen in einen großen Behälter. Der Dorfchef verschwindet erst mal zu einem längeren Gebet. Es dämmert schon, und wir wollen doch noch ins Dorf Arugam, das vom Wasser ganz weggeschwemmt worden ist. Waren wir nicht beim Inspektor zum Abendessen eingeladen? Ich bin ja so groggy, wo schlafen? Deepal meint, dass unsere Polizei vom unversehrten „Holiday Inn“ gesprochen hat, und ich stelle mir erleichtert Komfort, blütenweiße, kühle Bettwäsche, ein kühles Getränk, gemütliches Essen, eine Zahnbürste und Creme vor, Ausruhen und Entspannung. Mit dem wunderbaren Gedanken habe ich wieder Kraft, durchzuhalten. Am 15. Februar erzähle ich Ricarda von dieser Vorstellung. „Wie, das hast Du Dir wirklich so vorgestellt? Nein!“ „Doch!“
Inzwischen werden Petroleumlampen angezündet, und der chief ruft nun einzeln die Familiennamen auf, die vortreten, und wir beide drücken jedem jeweils 3 Tüten in die Hand, und das 200mal! Manche nehmen stillschweigend, andere überschwenglich voll Dankbarkeit unsere Gaben entgegen. Sie gehen dann zum Ölfass, und mit einem Trichter – auch daran hat Ricarda gedacht -, bekommt jeder noch einen Liter in ihre mitgebrachten Flaschen. Wir sind uns bewusst, dass all das zwar nur für ein paar Tage ausreicht, aber wir geben den Menschen Hoffnung, Kraft und die Gewissheit, dass sie nicht vergessen sind. Völlig erschöpft klettern wir wieder in den letzten Traktor, ich falle prompt wieder in den Nageleimer. Ratternd fahren wir durch die im Dunkel nur zu erahnenden, verwüsteten Reisfelder. Ich sehe das Schild „Holiday Inn“ und weiß enttäuscht sofort, dass es das, was ich erwarte, auf gar keinen Fall gibt. Nur ein schwacher Generator beleuchtet das Nötigste. Komische Typen empfangen uns misstrauisch. Deepal hat große Schwierigkeiten, sich mit ihnen zu verständigen. Sie sprechen eine andere Sprache…Tamilen? Wie ein Geisterort kommt uns das vor, das schummrige Licht, die dunklen Typen. Es gibt nichts Kaltes und schon gar kein Bier, eine Art von warmem Tonic steht im ausgeschalteten Eisschrank, das wir beide trinken wollen. An einigen Tischen sitzen sehr schwarze, unsympathisch aussehende Männer, die den hiesigen Whisky trinken, die anderen Tische stehen voll mit leeren Flaschen und leergefressenen Tellern. Wo sind die Frauen? Wir beide fühlen uns unwohl. Einer der Polizisten: „We are going to cook something.“ Unser Traktor steht wohlbehütet sichtbar vor dem Essraum. Ein paar Zwiebeln, Kartoffeln, Reis, Linsen aus unseren Säcken, und die beiden Polizisten kochen. Wir sitzen ewig vor den mit Zeitung abgedeckten, zum Essen fertigen vollen Schüsseln. Warum wird nicht gegessen? Da kommt mir der Geistesblitz: Die Frau gibt den Startschuss. Das bin dann ich. Kurz drauf werden unsere hungrigen Mägen gefüllt. Mit all den Helfern sind wir immerhin 30. Wir beiden einsamen Weiber dazwischen, und es wird viel Whisky gesoffen, es gibt ja nichts anderes. Wir bekommen ein Zimmer. Das Wasser war auch hier, nur nicht so hoch. Die Laken, die uns ein Typ bringt, sind okay, die kalte Dusche funktioniert, es gibt keinen Lappen, und ich versuche, die Toilette, die völlig versandet ist, mit den Händen einigermaßen herzurichten, so dass wir sie benutzen können. Ricarda: „Ich habe Angst! Mach bloß die Fenster nicht auf!“ Wir sind zu müde zum Quatschen und wollen nur Ruhe. Ein wildes Klopfen an der Tür schreckt uns auf, „Mach bloß nicht auf!“ Dann nach einer Weile klopft es zaghaft: „Ricarda, it’s Deepal.“ „Please come in immediately…Could you please spend the night in our room, all these men are so drunk, please!“ We are released, thow Deepal he snores all the night. Better a snoring bodyguard than a drunken crazy man in our room! Die Nacht war grauslig.
Benommen wachen wir auf. Einige unserer Leute haben mit Moskitonetz auf den Esstischen geschlafen, um unsere Ladung im Visier zu haben. Was für ein Räubergut immer noch! Die abgegessenen Teller und Flaschen vom Vorabend stehen noch herum. Ein junger Deutscher hat sich auch hier einquartiert, dem sich ein junges Paar angeschlossen hat, um mit ihm spontan zu helfen. Er bildet Schäferhunde für die Minensuche aus, die er jeden Tag im Norden von Sri Lanka trainiert und dort mit ihnen arbeitet. „Eigentlich bin ich gelernter Ingenieur. Ich sah mich 35 Jahre mit Schlips und Kragen immer dasselbe tun. Von meinem Vater lernte, ich Schäferhunde auszubilden, und fühle mich nun dazu berufen, Minen zu räumen.“ „Wenn es eine Mine gibt, setzt sich mein Schäferhund kurz davor hin, und ich kann die Mine entschärfen lassen. Es ist eine wunderbare Aufgabe. Nun hat man mich kurzfristig hierher beordert, um hier ein Lazarett aufzubauen. Ich muss nur bald zurück, denn eine meiner Hündinnen bekommt Junge.“
Um in das weggewaschene Dorf zu gelangen, fahren wir durch Wasser und Zerstörung. Auf den Grundmauern der dortigen Schule wird wieder die andere Hälfte unserer Ladung in Tüten abgefüllt, aber hier verteilen wir auch die Spaten, Nägel, Hämmer, Kochtöpfe und Sägen. Die Raben nutzen jede Gelegenheit, um den Reis und die Linsen, die danebengefallen sind, gierig aufzupicken. Die Überlebenden des Dorfes freuen sich so sehr, einen Eimer oder ein Paar Flipflops zu ergattern. Hast Du Größe 7 oder 9 oder 6? Unser Subinspektor taucht auf und schaut, ob wir O.K. sind, und hält wichtige speeches. Aber heute Abend dann zum Essen! Ich sammle noch die braunen, kratzigen und staubigen Kartoffel- und Zwiebelsäcke ein, die rot, grün oder schwarz wild bedruckt sind, meist in der singalesischen Schrift. Ricarda: „Da mach’ ich Designerklamotten draus, wirste sehen!“ So viel Dankbarkeit und Freude kommt uns entgegen. Ob wir die Möglichkeit haben, weiter zu sammeln, damit die Schule wieder aufgebaut werden kann? Auf einem Mauerrest liegen noch die Schulbücher, und an einer Stelle hängt die kolorierte Karte von Sri Lanka, einfach aus Styropor geschnitten.
Wir sind fertig und steigen in den nun leeren Anhänger des Traktors. Wir tuckern an einem halb zerstörtem Haus vorbei, das Paar winkt uns rufend und dankend zu. Sie essen das gerade aus unseren Zutaten zubereitete Mahl. Jetzt wollen wir doch noch mal in unseren Bungalow. Auf dem Weg dorthin ragt plötzlich aus dem Schutt eine offene, weiß-grün gestreifte Eistruhe heraus mit der Aufschrit „Elephant Ice Creme“ – grotesker Anblick! Wir stehen erschüttert in unseren Zimmern. Ricarda zieht mit 2 Fingern freudestrahlend ihr Lieblings-T-Shirt aus dem öligen Sand und Stroh. Hier ein Schuh und Rock von Beate. Guck mal, unser Tannenbaum, und hier das Taschenbuch, das Du mir geschenkt hast, könnte man trocknen! Ich finde auch noch 2 Tücher und eine Tasche vor dem Eingang mit meiner Markierung, einer roten Schleife. Wir werfen die nicht gut riechenden Sachen hinein. Inzwischen stehen all die Einheimischen verständnislos da, was wir denn da Blödsinniges tun? Igitt, igitt! Waschmaschine, na und?
Wir erreichen das Boot, und Razeek wartet schon mit dem Auto auf uns. Welche Erleichterung! Guck mal, auf jedem Platz von uns liegt eine Flasche Bier, die er uns dort so liebevoll hingelegt hat. Zurück geht’s! Puhhhhh! Wir halten an. Eine Schildkröte will gerade die Straße überqueren. Deepal zündet sich erst mal eine Zigarette an, es dauert schon eine Weile, bis sie mit ihrer Gelassenheit die andere Straßenseite erreicht hat! Nun heißt es wieder 7 – 8 Stunden Autofahren.
In den 3 Wochen sind wir 60 Stunden Auto gefahren, einmal quer über die Insel, das sind zwar nur 300 km, aber dafür braucht man immerhin 10 Stunden. Wenn wir das vorher gewusst hätten! Razeek fährt wieder wie eine Eins. Deepal holt am Straßenrand etwas Warmes für nachher zu essen. The food besteht hauptsächlich aus Reis, Linsen, Kartoffeln, geraspelten Cocos, kaum Gemüse, und wenn man sich die krossen Teigrollen kauft, gefüllt mit vegetables, sind die vegetables immer Linsen mit wenig Zwiebeln und Knoblauch. Wir sind immer so schnell satt. Ob das der Grund ist, warum die Männer oft hier so dicke Bäuchlein haben? Wir beide schwärmen von frischen, knackigen Salaten zu Hause. Gegen 12 p.m. erreichen wir Kandy. Ein Hotel hat Deepal organisiert. Es gibt warmes Wasser, wir können uns endlich die Haare waschen, duschen und in frische Klamotten steigen, tut das gut! Deepal und Saman wickeln aus Zeitung so eine Art warmen Pfannekuchen mit vielen Kräutern und Gewürzen aus, die wir begierig futten, weil sie köstlich schmecken. Bier haben wir noch im Auto. Wir 4 sitzen noch bis 2 Uhr nachts gemütlich, entspannt quatschend auf der kühlen Terrasse. Wir sind ja im Gebirge! Ein Hotelgast beschwert sich mit Recht mal gleich wegen der Ruhestörung. „Tomorrow is sightseeing!“ ruft Deepal noch schnell, denn es ist unser letzter Tag! Wir fallen todmüde und völlig erschöpft in das schöne weiße Bettzeug!
7 a.m. „Wake up, sightseeingday today!“ Oh nein!!!!!!!! Endlich mal fest und tief geschlafen! In dem kuscheligen Bett. Das kann doch nicht sein! Will nicht! Am Frühstücksbuffet nehmen wir uns nur frisches Obst und Tee ohne Zucker! Die Fahrt geht zum SIGIRIYA Palace.
Sigiriya presents a unique concentration of fifth-century urban planning, architecture, gardening, engineering, hydraulic technology and art… Centred on a massive rock rising 200 metres above the surrounding plain. A palace complex on top of the rock, laborate pleasure gardens, extensive moats and ramparts, and the well-known paintings on the western face of the rock.
Wir klettern 1200 Stufen hinauf in schwindelerregende Höhe und bewundern dieses „achte Weltwunder“. 900 Frauen soll dieser Herrscher gehabt haben! Deepal will uns noch die versprochenen 500 Elefanten im hiesigen National Park zeigen, vergebens, das viele Wasser, der Regen hat sie unsichtbar gemacht. Wir blicken auf einen wunderbaren großen See. Im August in der Trockenzeit kommen die Elefantenfamilien hierher zum Trinken. Somit begnügen wir uns mit einigen wildlebenden, buntschillernden Hähnen, einem Leguan und dann doch noch im Gestrüpp weit weg einem Elefanten. Es ist dann doch 6 abends geworden. Ricardas flight nach Tokyo geht noch in dieser Nacht, um 2.30 a.m.
Die letzte lange Fahrt liegt vor uns. Nach Stunden im Haus der Eltern von Deepal angekommen, packen wir noch die Koffer um, und Ricarda kommt zeitig genug am Flughafen an. Deepal brennt für mich noch die CD mit all den Fotos unserer „desastertour“. Ich fliege dann mittags am nächsten Tag nach Köln. Die erste e-mail von Ricarda aus Tokyo: „Hab mir grad eine riesige Schüssel Salat gemacht!“
Wir machen eine Fotoausstellung im Dumont Haus in Köln. Die Fotos, die ich während unserer Hilfsaktion nach dem Tsunami gemacht habe. Wim Cox, der bekannte Fotograf aus Köln hält eine tolle Rede für mich. Es wird relativ viel Geld gesammelt für Sri Lanka. Ricarda besucht in Tokyo einen Tempel und kommt in ein Gespräch mit einem Mann aus Sri Lanka.
Sie erzählt, dass sie dort bald wieder hinfliegen will, um das Spendengeld dort persönlich hinzubringen. Er gibt Ihr seine Visitenkarte, für den Fall, dass sie dort dann Hilfe braucht, er ist Mitglied des Lions Club dort.
Vier Wochen später fliegt sie mit 25 Tausend Euro nach Sri Lanka. Dort trifft sie Deepal, der Ihr anbietet, das viele Geld sicherheitshalber auf sein Konto zu tun. Ricarda hat volles Vertrauen. Sie trifft eine Holländerin, die dort lebt und die gerade ein total vom Tsunami zerstörtes Dorf wieder aufzubauen, daß im nordöstlich der Insel liegt. Mit unserem Geld kann komplett eine neue Straße mit Häusern dort gebaut werden. Nun kam der Tag, an dem Ricarda das Geld haben musste, und Deepal wich ihr aus, das ging jetzt nicht, sie könnte das Geld jetzt nicht haben, vielleicht in 10 Tagen oder so. Ricardas Flug nach Tokyo ging in 2 Tagen und das wusste Deepal. Sie merkte, dass sie betrogen war. Da fiel ihr dieser Lions Club Mensch ein und sie kontaktierte Ihn. Er war so empört, dass seine eigenen Leute so etwas machen würden. Deepals Freund der gerade bei ihm zu Hause war einen Anruf für ihn, und zwar von Interpol, dass er sofort das Geld abgeben sollte. Deepal lachte darüber und meinte das sei nur eine kleine Abschreckung von irgend jemanden, den Ricarda beauftragt hätte. Ricarda verlängerte erst mal sofort ihren Flug um eine Woche, was schlimm ist, was ihre Firma betrifft, das wird ein Problem geben, aber sie wollte das hier fertig machen. Daraufhin bekam Ricarda ein Date mit Interpol persönlich und erzählte ihnen ihr Problem. Normalerweise geben die sich nicht mit solchen ‚Lapalien‘ ab. Sie ließen daraufhin Deepal kommen, er sah Ricarda und war erschrocken, denn damit hatte er nun gar nicht gerechnet. Interpol verlangten sofort das Geld zurück, oder er kann das Land nicht mehr verlassen u.a. Für Deepal war das schwer, da er das meiste Geld schon woanders investiert hatte. Er war nun gezwungen es sich irgend wie zu leihen. Ricarda wollte dann zur Bank das Geld abholen, aber da meinte der Lions Club Typ, er ginge mit, und die Nacht sollte sie dann in seinem Haus bei seiner Frau und Kindern verbringen, ais Sicherheitsgründen. Am nächste Tag fuhr er sie zu dieser Holländerin, die mit ihr dann in das Dorf fuhren. Dort waren da schon einige Häuser fertig und die Leute dankten Ricarda indem die Kinder ihr wunderschöne Bilder gemalt hatten. So war dann doch alles gut gegangen, und war sicher, dass das Spendengeld richtig und komplett investiert war in dem Dorf.